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Ein Echo
DARMSTÄDTER ECHO
15. Juni 2013 | Von Silvia Adler
Dramatik des Leisen
Kammerkonzert – Extraklasse: Das
„Mozart Piano Quartet“ im Staatstheater
DARMSTADT.
Zum Auftakt des jüngsten
Kammerkonzerts im Staatstheater Darmstadt spielte das „Mozart Piano Quartet“
die 1911 in London uraufgeführte „Phantasy“ in fis-Moll für Klavierquartett von
Frank Bridge. Der 1879 geborene Brite, der vor allem als Kompositionslehrer von
Benjamin Britten bekannt ist, gilt als Grenzgänger zwischen Romantik und
Moderne. Nachdem er sich zunächst an Brahms und Schumann orientiert hatte, ließ
sich der Komponist nach dem Ersten Weltkrieg von den Klangwelten Schönbergs und
Weberns inspirieren. Der geschmeidige Ton, mit dem Pianist Paul Rivinius im
„Andante con moto“ das wellenartige erste Thema erklingen ließ, wirkte zugleich
klar und unergründlich.
Die geheimnisvolle Ambivalenz der
Klangfarben, die der Klavierpart verströmte, brachte den eigentümlichen
Charakter des Werkes von Beginn an auf den Punkt. Auch das fein schattierte
Klangbild der Streicher (Mark Gothoni an der Violine, Hartmut Rohde an der
Viola und Peter Hörr am Violoncello) enthielt bei aller Brillanz stets reiches
Spektrum zart eingedunkelter, abgründiger Töne, das die romantischen Wurzeln
der Komposition hörbar machte, ohne sie allzu wuchtig hervortreten zu lassen.
Feinsinnig, nuanciert und ausdrucksstark setzte das Ensemble nicht auf groß
ausgespielte Emphase, sondern auf kammermusikalische Intimität.
Eine untergründige Spannung
erzeugte das feinnervige Spiel der Instrumentalisten auch im Klavierquartett in
a-Moll op. 66 von Charles-Marie Widor. Expressiv ausgestaltete Kantilenen
wechselten mit Presto-Attacken, zingareskes Temperament mit traumverlorener
Elegie.
Delikat und feurig setzten sie auch
das Klavierquartett in g-Moll op. 25 von Johannes Brahms in Szene. Ihre
Zugkraft bezog die Interpretation nicht nur aus den treffsicher gewählten und
kunstvoll ausgereizten Tempi, sondern auch aus der fein dosierten Dramatik der
leisen Töne, die das ungemein transparent und flexibel agierende Quartett
anheizte. Die Kunst, selbst der kleinsten musikalischen Bewegung untergründige
Spannung zu verleihen, ließ den Funken auf das Publikum überspringen. Die
Zuschauer bedachten die exzellente Darbietung mit stürmischem Applaus und
Bravorufen, wofür sich das Ensemble mit einem Ständchen von Richard Strauss
bedankte.